
Niklas Joachim in der Klubzeitung vom Oktober 2003
„Nächsten Donnerstag treffen wir uns zu einem Lactat-Test!“ waren die Worte unseres Trainers. Was ein Lactat-Test ist und was uns fünf Jungen aus der Trainingsgruppe bevorstand, wussten wir nicht. Es ist jedenfalls zu bemerken, dass das Wort Test schon einmal nicht erfreulich klang.
Als Jan, unser Trainer, unsere fragenden Blicke sah, gab er uns eine ausführliche Definition zum Begriff „Lactat“. Hier eine Zusammenfassung:
Wenn ein Muskel stärker belastet wird, benötigt der Körper mehr Sauerstoff. Wird aber weniger Sauerstoff aufgenommen als gebraucht wird (was irgendwann immer der Fall ist), produziert der Muskel Milchsäure, die im Blut nachgewiesen werden kann.
Unsere „kleine“ Aufgabe während der Testphase war es, uns in immer steigendem Maße zu belasten. Da nicht alle gleichzeitig erscheinen konnten, wurden wir in drei Gruppen eingeteilt. Ich war alleine in der letzten.
Am besagten Donnerstag wurde ich bereits im Bootshaus erwartet. Ich zog mich schnell um und ging in unseren Ergometerraum, wo die Untersuchung stattfand. Eine freundliche Frau (wohl eine medizinische Assistentin) wurde mir vorgestellt, die diesen Test leitete. Auch unser Trainer war anwesend.
Ich durfte auf einem Ergometer Platz nehmen, und mir wurde die erste Blutprobe abgenommen. Dabei wurde mir ins Ohrläppchen gestochen, weil dort am besten das Blut abzunehmen ist.
Daraufhin sollte ich auf dem Ergometer 3 Minuten bei einer Wattzahl von 50 Watt und einer Schlagzahl von 16 Schlägen/min fahren. Nach dieser noch sehr leichten Belastung, gab man mir eine einminütige Pause, während der mir wieder einige Tropfen Blut entzogen wurden.
Nach dieser Minute sollte ich bei 100 Watt und 18 Schlägen/min weitere 3 Minuten das Ergometer schinden. Es folgte wieder eine einminütige Pause, wieder eine Belastung, wieder eine Pause usw. Jede neue Belastung wurde um je 50 Watt und zwei Schläge/min erhöht. Die Pausen, in der mir jedes Mal Blut geraubt wurde, wurden natürlich nicht länger.
Bei 300 Watt wurde es dann schon etwas anstrengender für mich, die Wattzahl konstant zu halten, da die Muskeln langsam nicht mehr so belastungsfähig waren. Die folgende Erholungsphase war nicht mehr lang genug, so dass ich die nächste Belastung (350 Watt), trotz des Anfeuerns von Jan und der Assistentin, nur noch eine Minute durchhielt. Drei Mal wurde mir noch Blut abgenommen. Das erste Mal, als die Testphase vorbei war, das zweite Mal nach dreiminütigem Ausrudern und das letzte Mal nach einer Viertelstunde.
Aus unseren Lactat-Werten wurde ein Diagramm erstellt, auf dem man ablesen konnte, wie schnell sich bei Belastung Milchsäure im Blut bildet. Mein Lactat-Test ist wohl recht gut ausgefallen, jedenfalls war Jan damit zufrieden. Auf Grund unserer Lactat-Tests ist Jan jetzt in der Lage, für jeden von uns individuelle Trai-ningsprogramme zu erstellen, um uns optimal fördern zu können.
Der Test war zwar recht anstrengend, aber er hat trotzdem Spaß gemacht, weil es mal etwas war, was aus dem täglichen Trainingsallerlei herausragte.
Niklas Joachim
Rudern
am Spandauer See!